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Kitsch und die Abwesenheit von Scheiße

Im Interview mit dem Spiegel verrät Sönke Wortmann: "Pathos finde ich wunderbar."


Foto: photocase.com

"Kitsch ist die absolute Verneinung von Scheiße", schrieb Milan Kundera. Kitsch ist vor allem auch die Welt von Sönke Wortmann. In seinem Film von 2004 ließ er einen Elfjährigen zum "Wunder von Bern" werden, indem uns das kleine Kind aus Essen den ersten Weltmeistertitel ermöglichte. Jetzt ist Wortmann unterwegs mit der Nationalmannschaft und dreht einen Dokumentarfilm über die Weltmeisterschaft von 2006.

Wortmann sitzt mit dem Team auf der Bank, trägt DFB-Kleidung und bildet vor den Spielen einen Kreis mit Betreuern und Ersatzspielern, "um ihnen Energie zu geben", wie Wortmann im Spiegel-Interview erzählt. Da sagt er auch: "Ich hatte schon das Gefühl, gegen Polen gewonnen zu haben. Man gab mir das Gefühl, dass ich dazugehöre."

Ich behaupte einmal schon jetzt: Wortmanns WM-Film wird die absolute Verneinung von Scheiße. Alles schön, alle lieb. Und allein David Odonkor wird dem gerührten Publikum mindestens drei Mal das Wasser in die Augen treiben, weil er irgendetwas "ganz Süßes" von sich gibt. Wortmann sagt dann: "Pathos finde ich wunderbar."

Über den Kitsch meinte Milan Kundera noch, er rufe zwei nebeneinander fließende Tränen hervor: "Die erste Träne besagt: wie schön sind doch auf dem Rasen rennende Kinder! Die zweite Träne besagt: wie schön ist es doch, gemeinsam mit der ganzen Menschheit beim Anblick von auf dem Rasen rennenden Kindern gerührt zu sein!"

Das findet Sönke Wortmann sicher großartig. Ob Kundera bei den auf dem Rasen rennenden Kindern an Fußball gedacht hat, weiß ich nicht. Aber irgendwie klingt die zweite Träne ja schon sehr nach "Die Welt zu Gast bei Freunden".

Mathias Peer singt jeden Donnerstagabend "Boys don't cry" in der Karaokebar "New Karibik".

Nachtrag: Sat. 1 gab heute eine kurzfristige Programmänderung bekannt: Bereits zwei Monate nach der TV-Erstausstrahlung will der Fernsehsender den Film "Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann am Mittwoch um 21.15 Uhr erneut ausstrahlen. "Aus aktuellem Anlass", wie es heißt.
26.6.06 20:53


Mit 'Schland ins Glück

Podolski schießt uns ins Viertelfinale


Public Viewing: Koeln-Deutz, voll von Menschen. Vorne: Frauen, eine mit Hut. Foto: David Meiländer

Juhu! „'Schland“ ist im Viertelfinale. Okay, eigentlich heißt es ja „Deutschland“, aber das sagt ja in diesen Tagen keiner. Richtig zu artikulieren ist uncool und „Deut“ eine total unwichtige Silbe. Lukas Podolski kann schließlich auch nicht wirklich reden und schießt Deutschland trotzdem zur Weltherrschaft. Oder zur Meisterschaft? Ich komme da immer durcheinander.

Oliver Kahn wirkt traurig bei diesem Spiel. Missmutig sitzt er in seiner Ecke und starrt aufs Spielfeld. Jens Lehmann hingegen blüht auf. Flink und grazil hält er die Bälle und schreit seine Abwehrspieler an, bewahrt dabei aber trotzdem die Contenance. Er ist ein Held und Gentlemen, aber noch lange kein Titan. Aber vielleicht muss er das gar nicht sein. Die Zeiten ändern sich. Die Zeit der Titanen ist vorbei, heute herrschen die Götter.. Und während Zeus Lehmann über das Tor der deutschen Nationalelf wacht, sitzt Kronos Kahn auf der Bank und trinkt Weizenbier. Nicht unbedingt die Insel der Seeligen, aber fast. Toll.

Dionysos Meiländer, Gott der Ekstase, jubelte heute in Köln beim Public-Viewing. Auf der Bühne stand: WDR-Lokalzeit Moderator Ralf Henscheidt. Großartig.
24.6.06 23:15


Boxen im Ersten

Wenn Günter Netzer weint, weint die Nation


Das Netz von Günther Netzer. Foto: photocase.com

„Sie sind sehr schnell und flink“, kommentiert Günter Netzer das Spiel. „Meinen Sie mich?“, antwortet Gerhard Delling. In solchen Momenten weiß Netzer nichts zu sagen. Er schweigt und starrt auf den Boden, darauf hoffend, dass es irgendwann vorbei geht. Er weiß keine Antwort. Er ist kein schlagfertiger Mann. Er ist die Identifikationsfigur all derer, die Rethorikseminare besuchen, weil sie bei der Arbeit gemobbt werden. Er gehört zu denen, die zwar anpacken, aber nicht sprechen können. Er ist kein Clown, kein Hampelmann. Er ist wie wir, die das Sonnenlicht niemals zu sehen bekommen, weil wir die ganze Zeit unter Tage arbeiten müssen.

Manchmal leidet man mit ihm. Immer dann, wenn er tief getroffen - wie nach einem Boxhieb - fast weinen muss. „Klar, dass Sie, Herr Delling, es sich überhaupt nicht vorstellen können, ernsthaft an Ihre Arbeit heran zu gehen“, sagt er einmal. Was für eine Überraschung! „Großartig, Wahnsinn! JA!“, denkt die Nation. „Zeig es ihm! Mach ihn fertig! Bring ihn zum Heulen.“

Aber dann starrt er wieder auf den Boden und es ist alles wie vorher.

David Meiländer, 21, hat den Kollegen Peer heute schon vier mal zum Weinen gebracht.
22.6.06 08:57


Gruppensieger

Sogar Kollege Meiländer feiert ausgelassen. Wer soll uns jetzt noch stoppen?


Kollege Meiländer feiert gewöhnlich in unbenutzten Industrieanlagen und probt dort seinen großen Cheerleader-Auftritt fürs Finale.
Foto: M. Peer


"Wir Weltmeister" heißt diese Seite. Lange hat man sich fragen können: Ist das nicht ein bisschen zu euphorisch? Unrealistisch? Sogar ein wenig arrogant? Hätte uns das jemand vorgeworfen, wir hätten schnell eine Ausrede parat gehabt: "Nein, nein, mit 'Wir Weltmeister' sind natürlich WIR, die Fans gemeint, der zwölfte Mann, der bei dieser WM schon jetzt einen Pokal bekommen sollte." Oder so.

Vielleicht stimmt das auch, ist aber trotzdem Quatsch. Denn spätestens seit gestern wissen, wir, dass der Titel dieses kleinen Weblogs nur eines ist: Eine überraschende, aber trotzdem absolut zutreffende Vorhersage des 9. Juli.

Vor dem Haus von Mathias Peer schlafen besoffene Engländer. Er selbst wäre gestern Nach fast in einem schwedischen Wohnmobil eingepennt.
21.6.06 11:41


2:0 - Ghana gewinnt gegen Tschechien

Mit einem großmaschigen Netz fing WirWeltmeister die Stimmungen in Köln ein.


Foto: M. Peer

"Strč prst skrz krk." Das ist nicht einfach ziellos auf die Tastatur gehauen, sondern der einzige Satz, den ich auf Tschechisch kenne. Die tschechischen Fans, die noch eine Dreiviertelstunde nach Abpfiff ausdruckslos auf das Spielfeld im Kölner WM-Stadion starrten, hätte er aber kaum aufgeheitert. "Steck dir den Finger durch den Hals", bedeutet diese slawische Weisheit angeblich. Ein weltberühmter Zungenbrecher, die Tschechen verbinden sicher viele schöne Erinnerungen mit ihm. So kurz nach der Niederlage gegen Ghana hätte er aber vielleicht ein wenig taktlos gewirkt.

Ich hätte den traurigen Tschechen gerne irgendwie geholfen, nur wusste ich nicht wie.

Also habe ich sie einfach fotografiert, während sie litten und weinten. Dann umringten mich schöne, schwarze Frauen. Ich tanzte mit ihnen und küsste sie auf die Stirn. Auf der Kölner Ringstraße hatte plötzlich jeder Taxifahrer eine ghanaische Flagge und alle liebten mich wegen meines Ghana-T-Shirts, das ich gestern für 10 Euro bei "Karstadt Sport" gekauft hatte. Die Ghanaer und ich hupten, trommelten und schrien vor Glück.

Von den Tausenden tschechischen Fans waren nach dem Spiel nur noch wenige zu sehen. In Köln feiert man eben laut und trauert einsam.

Die Wortmeldungen von Mathias Peer, 179cm, werden bei der DFB-Pressekonferenz stets ignoriert.
17.6.06 23:50


Fußball und Forschung

Neueste Studien sollen belegen: 40 Prozent der Tore sind Zufall. Und: die WM ist schlecht für unser Herz.



Deutschland-Polen, 90. Minute: Klose köpft gegen die Latte, der Ball springt zurück, Nachschuss Ballack: wieder Latte. Pech? Unvermögen? Purer Zufall, sagen Sportwissenschaftler aus Augsburg. In einer Studie haben sie herausgefunden: 40 Prozent der Tore verdanken Fußball-Mannschaften einem Faktor, der nur selten von den taktischen Überlegungen des Trainers berücksichtig wird: dem Zufall. Prof. Martin Lames und sein studentischer Mitarbeiter Alex Rössling haben für ihre Studie 638 Erstligatore aus Deutschland, Italien, Spanien, England, Frankreich und den Niederlanden analysiert. 40 von 100 Toren waren so nicht geplant oder zumindest nicht planbar: zum Beispiel, wenn die Flugbahn eines Balles abgefälscht wird, wenn der Ball vom Pfosten ins Tor springt oder wenn das Tor aus sehr großer Entfernung erzielt wurde. Aufgrund der Erkenntnisse empfielt Professor Lames den Zufall stärker in die Strategie miteinzubeziehen: "Nicht nur geplante Spielzüge führen zum Erfolg, vielmehr resultiert das Tor signifikant oft aus dem nicht Vorhersehbaren. Deshalb geht es nicht nur darum, schematisch Angriffe vorzutragen, es gilt vielmehr auch, einfach Unordnung herzustellen, etwas zu riskieren und sich auf Unvorhergesehenes einzustellen."

Eine Studie des Klinikums der Universität München soll klären, welche Auswirkungen die Fußball-WM auf uns, also die Fans hat. Untersucht wird "der Einfluss von emotionalem Stress auf die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse wie Myokardinfarkt oder plötzlicher Herztod." Kurz gesagt: Gibt es während der WM mehr Herzinfakrte als sonst? WirWeltmeister.de meint: Nochmal so knapp wie gestern, dann ist zumindest der aufbrausende Kollege Meiländer höchst gefährdet.

Zur Mathematik: Ein klassischer Fußball besteht aus 12 schwarzen Fünfecken und 20 weißen Sechsecken. Professor Dieter Kotschick aus München schrieb für das Magazin "American Scientist" einen Artikel darüber, wie man diese Vielecke anders anordnen könnte als gewöhnlich. Dass die Ergebnisse den offiziellen WM-Ball "Teamgeist" ablösen werden, bleibt aber unwahrscheinlich:


Grafik: M. Trott

Mathias Peer, 46, läuft 100m in 18,27 Minuten.
15.6.06 13:35


Juhu

Eine lustige Angela Merkel, ein graziler Jens Lehmann und Zombie-Fans


Foto: photocase.com

„Tut mir leid, Lech“, wird Angela Merkel am Mittwoch Abend ihrem Sitznachbarn, dem polnischen Präsidenten, zugeflüstert haben. „Aber ich freu' mich halt so.“ Das kleine Mädchen Angela war ihren Jungs ganz nah. Für sie hat sie ihr Herz geöffnet, was sie sonst nur für ihren Mann tut. Aber der war ja wieder mal zu hause. Unmöglich.

Jens Lehmann hat zwar nicht den Preis als „Spieler des Tages“ gewonnen, dafür den für das schönste Kostüm. In seinem goldenen Hemd tänzelte er grazil und flink in seinem Strafraum herum, fast so anmutig wie ein Leopard. Das hätte Oliver Kahn tatsächlich nicht gekonnt. Er wäre herum gestampft und hätte Grashalme gekaut – wie ein großer Stier oder ein Büffel. Doch genau dieser Unterschied ist das Prinzip Klinsmann. Weg vom deutschen Proll-Fußball, hin zur schwäbischen Leichtfüßigkeit. Toll.

Auf dem Weg nach Hause nehme ich den Nachtbus. Er braucht 90 Minuten für 6 Kilometer. So voll ist es. Ich fühle mich ein bisschen wie in einem Horrofilm, denn die Menschen sehen aus wie Zombies. Rythmisch schlagen sie gegen die Scheiben, umringen den Bus und versuchen ihn umzuwerfen. „Machen sie bloß nicht das Fenster auf“, schreit mich der Busfahrer an. „Wenn die Sie beißen, werden Sie einer von ihnen.“ Er weint leise, als ich meine Zähne in seine Schulter ramme.

David Meiländer, 21, hat Schuhgröße 42.
15.6.06 11:06


10 Meiländers für einen Ballack und hundert Peers

Dank Panini kann man sich noch bis zum 31. Juli neben seine Stars kleben


Deutsch/Polnische Shizophrenie, Foto: Panini und David Meiländer


Wenn Deutschland gewinnt, dann gewinnen „wir“. Wir stehen zusammen und unsere Jungs kämpfen für unsere Sache. Traurig war bisher nur, dass das keiner so richtig zu würdigen wusste. Wenn man zum Beispiel die tollen Panini-Bilder tauschte, dann tauschte man sieben Podolskis gegen einen Ronaldinho, aber keinen David Meiländer gegen zehn Bildchen vom Kollegen Mathias Peer. Auch wenn das total berechtigt wäre. Im Album blieben die Stars unter sich. Das ist jetzt anders. Denn bei Panini kann man noch bis zum 31. Juli seine eigenen Sammelbilder drucken lassen. Ganz toll! Dabei offenbarte sich auch schon die innere Zerrissenheit des Autors. Seine kommerzielle Seite, Davech Meiländinski, hofft auf den Sieg Polens, denn der macht ihn reich. Der deutsche Patriot, David Meiländer, hofft auf sein Land, denn wenn es das Spiel gewänne, wäre er glücklich. Aber ist Geld kein guter Ersatz für Glück? Vielleicht.

David Meiländer, 21, hat sich ins deutsche Tor geklebt. Dort hält er den Platz frei für Oliver Kahn.
14.6.06 00:06


Fußballfest statt Siesta

Morgen spielt Spanien das erste Mal bei dieser WM. Die Fans gehen das Turnier mit Augenzwinkern und Aberglaube an



On Wednesday the country will be paralyzed at 15:00 (the average hour we have meal here in Spain) looking at the TVs, listening to the radio or checking the scoreboards on the Internet. Just few hours before the first Spanish match in the FIFA World Cup, the Spanish Blogosphere is talking about a Nostradamus prophecy recently discovered.

When the sixth month of the sixth year comes to the end,
the King of Spain will cross the Pyrenees with his powerful army.
Beelzebub's troops will be waiting in Central Europe,
destruction and defeat will fall over the enemy.
Holy Grail will return to Spain with the triumphant King.

And the interpretation would be: King Juan Carlos and the Royal Family will support live the Spain National Team in Germany. Spain is going to win the World Cup and they will bring the cup back to Spain.

It is obviously a fake prophecy but it represents how the is the general mood regarding the competition. We always see the funny side of our team's play, quite criticized during the last months.

Roberto Diez, 26, betreut das spanische myblog.es. Die WM beobachtet er aus Zamora und Salamanca.
13.6.06 10:44


WM: Places to be

Wir haben schon davon erzählt, wie das WM-Feiern in Köln und Frankfurt so ist. Heiko Hebig gibt Tipps für München, habt ihr Hinweise zu anderen Städten? Wir freuen uns über eure Kommentare.
12.6.06 17:30


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